Soll ich Leute führen im Job

Ich will für mich selber verstehen, ob ich in meinem nächsten Job Leute führen will, ob mir dies Spass macht und was mir diese Erfahrung bringt. 


Ich bin an einem Punkt in meiner Karriere, wo ich mich frage, wie soll es weiter gehen soll. Ich war für Jahre Projektleiter und habe Transformationsprojekte geleitet. Bei meinem jetzigen Arbeitgeber habe ich gerade kürzlich das grösste M&A Projekt erfolgreich abgeschlossen, das die Firma wohl für eine Weile haben wird. Es ist allgemein wohl das grösste Projekt, das es für eine Weile geben wird. Das Projekt ging darum die Firma die wir gekauft haben zu integrieren, dies beinhaltete Arbeitsplätze für 150 Leute aufzubauen und eine gesamte Bankenplattform mit allen Backendsystemen zu migrieren. Es war ein super interessantes Projekt, da es nicht nur eine Technische Transformation war, sondern wir mussten auch Personen in neue Teams integrieren, und mussten daher auch mit einzelnen Herausforderungen von Mitarbeitern umgehen. Zudem war der Scope vom Projekt sehr gross und involvierte Leute aus HR, Legal, IT und noch vielen weiteren Bereichen. Am Projekt arbeiteten über 100 Leute, die ich mit meinem Projekt-Management Team von 9 Leuten geleitet habe. Das Projekt war ein voller Erfolg und mir persönlich hat es sehr viel Spass gemacht. 

Aber ich weiss, dass ich in dieser Rolle als Projektmanager beim jetzigen Arbeitgeber nicht weiter wachsen kann anhand von grösseren Projekten zu leiten. Darum habe ich mir überlegt, wie ich weiter wachsen kann. In diversen Gesprächen hat sich dann herauskristallisiert, dass ich noch nie Leute direkt geführt habe. Ich habe Leute nur als Projektleiter geführt, aber nie als Line-Manager. 

Für mich war ganz klar, dass ich diesen Schritt nun machen will / muss. Denn mein Chef würde mich bei diesem Vorhaben unterstützen und mir helfen eine entsprechende Position innerhalb der Firma zu finden. Dann hat mich aber ein Mentor gefragt, warum ich Leute führen will, und ob mir dies denn wirklich Spass machen würde. Auf diese Frage wusste ich keine Antwort. Daher hier die Liste von «Warum ich es machen möchte» und «Was für mich dagegen spricht»: 

Warum ich es machen möchte 

  • CV / Position
    Meine erste Intention ist sicherlich, dass ich diese Erfahrung machen kann, damit ich dies in meinem CV haben. Dies eröffnet mir dann auch Zugang zu neuen Job Möglichkeiten. Und leider ist es halt immer noch so, dass wenn man in der Hierarchie nach oben kommen will und mehr Verantwortung und mehr verdienen will, dass dies meistens auch daran gemessen wird, wie viele Leute man führt. Aus meiner Sicht ist dies nicht optimal, denn wer fachlich gut ist, ist oft nicht der beste People Manager. 

  • Neue Erfahrung
    Wie oben geschrieben, weiss ich nicht, ob es mir gefallen würde Leute zu führen und verantwortlich zu sein für deren Entwicklung. Ich kann dies nur abschliessend sagen, wenn ich es wirklich mal gemacht habe. Aber dieser Weg ist nur Sinnvoll, wenn ich es mir auch vorstellen kann. Auf jeden Fall ist es eine neue Erfahrung. Ich werde am Anfang sicherlich in gewissen Situation überfordert sein, aber das ist immer die Zeit, wenn man am Meisten lernt. Und diese Erfahrungen kann einem niemand mehr nehmen. Die Frage ist nur immer zu welchem Preis man diese Erfahrung machen kann.
    Erfahrungen die ich mir davon erhoffe sind: 
    • Coaching in Arbeitet, damit die Kollegen besser und effizienter werden
    • Mentoring in der persönlichen Entwicklung, schauen dass die Kollegen ihren Weg in der Arbeitswelt finden
    • Auf Probleme von andern einzugehen, und zwar Probleme aller Art, nicht nur fachlich

  • Erfahrung weiter geben
    Ich hatte während meiner Karriere schon einige Vorgesetzte und Mentoren. Nicht alle waren gleich gut, aber von allen habe ich sicherlich etwas gelernt. Und ich habe schon einiges in meinem Rucksack mitgenommen. Dies wird mir jeweils immer wieder bewusst, wenn ich jemand von der Uni zur Seite gestellt bekomme, dann wird einem immer wieder bewusst, wie viel man gelernt hat und wie viel Erfahrung man gesammelt hat seit dem Studium. Dieses Wissen würde ich gerne auch weiter geben, denn ich war auch froh um alle Tipps und Tricks die ich auf meinem Weg erhalten habe.

  • Team
    Ziel muss es sein, dass man es schafft ein Schlagkräftiges Team aufzubauen. Wenn alle aus einem Team in die gleiche Richtung gehen und motiviert sind, dann kann man viel mehr erreichen als nur alleine. Dies fand ich in einem Projekt immer das schönste, wenn man in einem Motivierten Team zusammen arbeiten konnte. Und als Team Leiter ist man selber verantwortlich ein motiviertes Team hin zu bekommen. Man kann dazu (zu einem gewissen Grad), aber auch die Leute aussuchen, die man in sein Team einstellt. 

Was für mich dagegen spricht

  • Problemen von andern
    Was mich wohl am meisten davon abhält, ist dass man sich mit den Problemen von andern Rumschlagen muss. So lange dass das gegenüber Motiviert ist und einem um Rat fragt um das Problem zu lösen, ist dies ja okay. Aber es gibt leider auch Leute, die immer nur mit Problemen kommen und nicht mit Lösungen. Aber hier sehe ich es dann auch meine Aufgabe, meine Kollegen dahin zu erziehen, dass sie lernen mit Optionen und Lösungen zu mir zu kommen und nicht nur mit Problemen. Aber Fakt ist, dass man sich nicht nur um seine eigenen Probleme kümmern muss, sondern auch die von anderen. Aber das ist als Projektleiter auch nicht anders, die Probleme sind einfach andere. 

  • Gleichen Probleme
    Ich denke, dass man als Linien Vorgesetzter immer mit den gleichen Probleme konfrontiert wird, e.g.: Arbeite ist zu viel, Ich habe zu wenig Lohn, ich will mehr Urlaub, Ich kann nicht / will nicht / geht nicht, Der andere ist ein A…, Das ist nicht meine Verantwortung, ich bin nicht motiviert, etc.
    Das sind ja oft nicht die Probleme die man lösen will, es gibt doch schönere Themen, wo man Leute wirklich weiter bringen kann.
    Meine grösster Respekt ist sicherlich vor Leuten, die sich nicht selber Motivieren können und die man ständig antreiben muss. Denn dies ist was mir jeweils nicht Spass machte als Projektleiter. 

  • Für andere verantwortlich
    Als Linienverantwortlichen muss man schlussendlich auch den Kopf hin halten für das Team. Denn wenn das Team die Ziele nicht erreicht, dann kommt die Keule von oben, und zwar nicht aufs Team, sondern aufs den Vorgesetzten. Somit muss man möglicherweise den Kopf hin halten für Themen, die man nicht selber verantwortet hat. Aber dies ist eigentlich nicht anders als bei einem Projekt, da habe ich auch alles verantwortet, wobei ich das effektive Doing ja nicht gemacht habe.

  • Unschöne Themen
    Dann sind dann ja noch die unschönen Themen, die man mit seinen Kollegen besprechen muss. Wenn es um schlechte Performance geht und man die Schlechte Bewertung besprechen muss. Oder wenn man Leute entlassen muss, zum Beispiel wenn die Firma generell Stellen kürzt und man einfach eine Vorgabe kriegt Leute zu entlassen. Und natürlich das Gespräch, dass sicherlich jedes Jahr kommt, wenn man den Kollegen mitteilen muss, dass es nicht mehr Lohn gibt. Mmhhh alles nicht so tolle Themen. Aber ich denke auch diese Erfahrung muss ich mal machen. 

Fazit

Wenn ich mir dies so überlege, kann ich dies wohl erst abschliessend sagen, wenn ich diese Erfahrung mal gemacht habe. Zuvor kann ich es mir nur vorstellen, wie es sein könnte, aber wie oft wohl solche positive oder negative Momente wirklich kommen, weiss ich nicht. 

Wie habt Ihr Euch entschieden ob Ihr eine Linienfunktion übernehmt oder nicht. Lasst es mich wissen in den Kommentaren, ich würde gerne Eure Erfahrung hören. Danke


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